Heute sind wir wieder zur Mahnwache nach Ratzeburg gefahren, um zu unterstützen. Einer für Alle, alle für einen, Hand in Hand für unser Land, der Widerstand. Hehre Worte, die nach großen Demonstrationen und Blockaden in unserem Land, nichts gebracht haben. Die Politik ignoriert weiter ihre Wähler. Brückenleuchten und Autokorsos, damit die Unzufriedenheit weiter sichtbar bleibt, bleiben ohne Wirkung. So erleidet der Widerstand Verluste. Ich habe gelernt, wie schwierig und Zeitaufwendig es ist, Bürger zum mitmachen und Umdenken zu bewegen. Zwei Jahre Bürgerdialog auf Hamburgs Straßen haben mich das erkennen lassen. Veränderung kann nur von unten nach oben geschehen. Ein Bürgerdialog mit Entscheidungsträgern in Kleinstädten funktioniert nicht, wenn 75 % der Teilnehmer nicht in diesem Ort wohnen; wenn versucht wird sich über die Bürger zu stellen, in dem man sie auffordert, sich in dem vorhandenen System politisch zu betätigen. Heute, am Tag des Beginns des 3. Weltkriegs, gebe ich auf. Ich habe wunderbare Menschen kennengelernt, die etwas verändern wollen, wie 80 % der Bürger im Land, wenn ich den Umfragen Glauben schenke. Das sind lediglich einige Stunden Lebenszeit, die dafür aufgewendet werden. Widerstand bedarf der Kontinuität und ist mehr, als nur Kaffeetrinken vor einem Rathaus, und das gründen von neuen Parteien und Vereinen. Das ist Spaltung. Ich bewerte und verurteile nicht, ich stelle fest. Ich bin mit meinem Unverständnis nicht allein. Der bekannte Feuerwehrmann aus den Medien pflichtet mir bei. Auch er findet passende Worte. Eine weitere Teilnehmerin dankt den Bürgern aus dem Osten, die uns vormachen, wie Wiederstand geht. Ein weiterer Teilnehmer, der dort gelebt hat, erzählt von der Angst bei den Schweigemärschen während der Montagsdemos. Sie sind im Laufe der Zeit immer mehr geworden. D Vielen Teilnehmern der Mahnwache ergeht es ähnlich. Sie möchten friedlich ins Machen kommen. Ich habe ein Angebot gemacht. Die, die ohne Angst sind, können sich bei mir melden. Diejenigen, die dabei bleiben wollen, und Widerstand lernen möchten, coache ich gerne, wie man „Neudeutsch“ sagt. Kommt auf mich zu. Mein Vorschlag, in einer Aktion Glasfaserkabel zu verlegen, damit wir ein ähnlich gut funktionierendes Netz haben, wie in den Pyrenäen, hat hoffentlich zum Nachdenken angeregt. Ich hoffe, wir hören bald voneinander. Die Zeit wird immer knapper. Es gibt sie noch, die Bürger, die Worte mit Leben füllen wollen. Sie schenken mir Hoffnung. Aufgeben ist keine Option. Meine Geschichten bleiben das, was sie sind. Eine Anregung zur Überprüfung, wo stehe ich, wo möchte ich hin. Wie komme ich an mein Ziel und gehe ich den Weg allein, oder gemeinsam.
Die Stadtschreiberin